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vorgeschichte...

tschechien - jedem technojünger ist unser nachbarland zumindest seit dessen exportschlager "ladida" ein begriff. doch schon jahre vor dem erfolg der aushänge-djane aus prag waren lautstarke rufe nach mehr techno in tschechien zu vernehmen. kein wunder also, daß sich wohl die gesamte deutsche dj-elite die systeme tschechischer technivic`s in die hand gab. die festival-kultur dagegen scheint der deutschen ebensolchen im bereich der elektronischen schon lange ein stückchen voraus. fast an jedem wochenende im sommer gibt es in cz technofestivals mit mehreren tausend besuchern, so auch vom 10.08.2000 bis zum 12.08.2000 - schön, wenn man von der größenordnung erst direkt vor ort erfährt... man lernt halt nie aus!

reise teil 1...

die reise muß sinnvollerweise in zwei teile aufgeteilt werden - einmal deutschland per bahn einmal tschechien per bahn. über die deutschen schienenverhältnisse muß ich wohl an dieser stelle keine allzu langen kommentare verlieren. wohl jeder ist schon mal mit einem interregio gefahren. viel interessanter war dann der weit längere teil der reise auf tschechischen schienen, also so ab dem grenzübertritt richtung cheb mit einem sogenannten d-zug. baujahr war da wohl so ca. 1960, und die diesellok an der spitze des zuges machte den eindruck, als würde sie jeden moment explodieren. es folgte eine unglaubliche reise durch eine sehr reizvolle landschaft, ich möchte sie mal als "tschechische gemütlichkeit" bezeichnen, und ich kann mir durchaus vorstellen, daß man an so manchen plätzchen sicher gerne ein sehr erfülltes und geruhsames leben führen kann.

reise teil 2...

wenn man jedoch weiß, daß man am abend noch einen aufkurbeln soll dann kann eine insgesamt 9,5 stündige bahnfahrt schon zur last werden, vor allem dann, wenn man laut fahrplan insgesamt 5 umsteigen muß, und das durchschnittstempo wohl nicht mehr als 50 km/h beträgt, zumindest auf tschechischer seite. absolutes highlight war da das umsteigen in der nähe eines braunkohlekraftwerkes, den ortsnamen habe ich mittlerweile aus meinem gedächtnis gelöscht. in diesem moment war es für mich nicht vorstellbar, daß an dieser stelle am freitag abend noch irgendwann in meinem leben jemals ein zug halten sollte. aber er kam, und so erhielt ich auch die gelegenheit, einmal mit der cz-version eines schienenbusses zu fahren. ja genau, diese weinroten teile, die in d seit ca. 20 jahren ausgemustert sind. geil!!! das fahrgeräusch des zuges verdeutlichte mir auch, woher uns chris (liebing) wohl seinen begriff "schranz" hatte. ich wette, er fuhr auch schon einmal mit einem solchen teil...

die letzten kilometer...

nach dem letzten umsteigen war schon im zug eine etwas andere stimmung festzustellen. alleine in meinem zugabteil saßen so ca. 10 jungs, die kräftig mit ihrer bong spielten, woahhh, leute!!! die haben einen aufgedampft, sogar die schaffnerin, die angesichts des dunstes nicht einmal die karten sehen wollte, mußte eindeutig dicht gewesen sein nach dem durchqueren der ca. 10 meter des abteils... ohne worte, esther w. (for those who know...) hätte ihre helle (oder soll ich sagen "neblige") freude gehabt. aber irgendwann ist auch die längste reise vorbei, und so kam ich gegen 21.30 etwas passiv bekifft in teplice an.

tschechische gastfreundschaft

ein wahsinnig netter mitarbeiter des veranstalters wartete am bahnhof bereits, und konnte wohl an meinem ca. 10 cm längeren rechten arm erkennen, daß mir das case so langsam aber sicher etwas zu schwer wurde, trotz der tatsache, daß ich mitgedacht hatte, und nur ein "kleines" 80er case mitgenommen habe. die dusche und dann etwa halbe stunde ruhe im hotel waren ein echtes erlebnis. wie neu geboren im anschluß holte mich mein "betreuer" dann gegen 23 uhr ab, da mein set um 24 uhr beginnen sollte.

das "gelände"

auf der kurzen fahrt zum veranstaltungsgelände wurde ich dann zum ersten mal kurz über den event gebrieft. davon, daß es sich um ein derartiges festival handeln würde, hatte ich beim verinbaren des bookings im november des vorjahres keinen eindruck gewonnen. ich erfuhr dann, daß es um 23 uhr ein paar mehr besucher als im vorjahr waren, so etwa 3.500, und daß da sicher noch 1000 leute kommen würden. ehrlich gesagt rechnete ich mit einem open-air event mit ca. 1.000 leuten, aber so was... schon ca. 500 m vor der zufahrt zum gelände konnte man eine lichtanlage durch die bäume erkennen, welche die aussagen meines fahrers durchaus plausibel machte. beim aussteigen dann bot sich ein wahnsinniger blick auf eine fußballfeldgroße tanzfläche, daneben ein pool, und daran anschließend noch zwei weitere floors, die durch kleinere bühnen beschallt wurden. veranstaltungsort war ein sog. "autocamp", ein areal, auf dem normalerweise familien ihr wochenende oder ihren urlaub verbringen. restaurants, piercing-studios, tattoo-stände, und zelte zur aufklärung über safer sex verteilten sich auf dem gelände, das voll war von feiernasen, wie man sie bei uns nur selten sieht. less dress - more fun! keine zelthosen, einfach cool. gut versorgt (jeder artist hatte auf dem gelände noch einmal ein eigenes zimmer...) begab ich mich dann gegen 23.30 uhr auf den weg zur mainstage, auf der zu beginn ladida (da schau her...) und danach ein weitere tschechischer dj die masse an leuten schon gut im griff hatten. der weg führte hinweg über poppende paare, kiffende kidies und tollwütige tänzer bis zum bühnenbereich, vor dem die lautstärke einem das hirn auseinandernahm. mahlzeit!

partyeindrücke

alles war eben etwas (?!?!?!?!?!) größer als angenommen, und so wurde mir erst nach dem betreten der bühne beim ausblick auf wohl ca. 3.000 köpfe auf dem vor mir liegenden fußballfeld klar, daß dies wohl mit sicherheit der bis dato größte event sein sollte, auf dem ich bis dato bisher gespielt haben sollte. ales (der kopf der veranstaltercrew) teilte mir noch kurz mit, daß sie gegen 24 uhr wohl eine flasche schampus köpfen würden, denn zum ersten mal sollte die magische besucherzahl von 5.000 durchbrochen werden. auch jamie bissmire, der um 2 uhr nach mir dran war, war sichtlich gut drauf, und machte das, was engländer auf solchen festivals oder auf fußballspielen halt so machen: rauchen und bier trinken. netter kerl im übrigen! gegen mitternacht war es an der zeit, den leuten zu zeigen, was toneman-techno ist.

sound

der dj vor mir knüppelte schon ganz anständig auf den trommelfellen der besucher herum, also hieß es einfach nur: keulen raus, und die bassdrum regieren lassen. im nachhinein war mein set dann doch nicht ganz so hart, aber die misching machts eben, und mit platten wie steve rachmad`s "kozzmozz" kann man auf solchen events nie etwas falsch machen. ein besonderer event war der "cosmic trip" auch deshalb für mich, weil ich zum ersten mal das dubplate der toneman 01 in meinem case hatte, und die natürlich auch zum einsatz kam. derartige events sind für dj`s immer sehr einfach zu spielen, denn fehler machen beim sound ist kaum möglich. es geht lediglich darum, eine duftmarke zu setzen, und eben nicht in die kategorien anderer dj`s des abends zu fallen. insgesamt fielen mir rückblickend nur ein paar wesentliche dinge auf: eine wahnsinnig gute soundanlage, auf der alle platten dermaßen fett klangen, daß es eine wahre freude war... eine unglaubliche reaktion des publikums auf die "phase edit ep" und ebengenannte steve rachmad`s "kozzmozz"... eine nahezu bessessen abfeiernde crowd... ein aufgrund der dunkelheit nicht auszumachendes ende der masse an leuten auf der "tanzfläche"... und ein paar echt absolut sehenswert hübsche junge frauen, die eine sehr angenehme atmosphäre schafften, und alle außenrumstehenden männer zum durchdrehen und dadurch zum total abgehen brachten! erwähnen muß ich auch noch das set von jamie bissmire, daß ich mir in voller länge von 2 bis 4 uhr gab, denn jamie trat den beweis an, daß auch im technobereich gescratcht werden kann. er war und ist echt der einzige dj, bei dem nach meinem empfinden das scratching zum sound paßte, und nicht fehl am platze war. was er da hinter den decks, auch mixtechnisch, veranstaltete, muß jedem interessierten zwangsläufig den allergrößten respekt abverlangen. er war der wahnsinn... eben ein ganz anderer style!

rückreise

trotz eines grandiosen erlebnisses mußte auch an so einem wochenende natürlich eine art dämpfer folgen. so erzählte mir einer der veranstalter, daß er sich schon gewundert hat, warum ich denn eigentlich nicht von münchen nach dresden geflogen bin, und warum ich mir eine 9,5 stündige bahnfahrt zumute. dresden liegt doch nur 60km entfernt von teplice... der erste weg zuhause führte mich dann an den routenplaner meines rechners! who cares...