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Partysan Bayern, Ausgabe November 2010: Warte mal...
 
Schön daß Du wieder hier bist! In den 2.0 Zeiten gibt es das ja noch selten, eine gedruckte Seite voll mit Nomen, Adjektiven, Prädikaten. Nicht nur mal schnell draufklicken, nein, das „Heft in die Hand nehmen“ und lesen, irgendwie ist das manchmal wie eine Auszeit in der einen kaum etwas ablenken kann. Wann ist Dir das denn das letzte vor dem Laptop passiert? Da plockt`s doch gleich wieder wenn der nächste einen Facebook-Chat eröffnen will, es klingelt der Posteingang und das orange blinkende eigentlich ja hellblaue Skype-Symbol macht neugierig was da wohl stehen mag. Fertig lesen kann man ja später noch, ja ja… Eine Zeitschrift, ein Buch oder generell gedrucktes Wort lesen ist da echt irgendwie eine Auszeit, oder nicht? Fast so etwas wie das Entdecken der „neuen Langsamkeit“.
 
Jetzt kommt die berechtigte Frage mit Blick auf die Überschrift: Was geht mit dem Bau ab? Was hat das mit einem Tourbericht zu tun? Auf den ersten Blick gar nichts, das stimmt. Und dennoch gibt es da eine Verbindung. Welche? Na pass mal auf… Bei der Durchsicht meiner letzten Tourbook-Einträge bin ich erschrocken, denn mir ist aufgefallen daß ich mir widerspreche. Ja, ganz recht! Bei meinem ersten Tourbook an dieser Stelle schreib ich noch daß ihr da keine Angst haben müsst, es folgt nicht stundenlanges Gejammer über fehlende Upgrades in die Business Class oder Tips wo das Sashimi am besten schmeckt. Nein, für so was sind andere Kollegen meiner Zunft zuständig. Und dann? Dann schreibt der Bau über London, Buenos Aires, New York, und jeder, der in Erdkunde damals nicht Berge aus Nasenpopel gebaut, sondern aufgepasst hat, fällt auf: So ein Dummschwätzer! Wenn das mal kein JetSet-Lifestyle ist.
  
Ok, jetzt kann ich zu meiner Verteidigung anführen daß ich ja erstens wie versprochen eben nicht Gourmet-Tips verteile und Euch die Bedienungsanleitung des Business Class Sitzes zusammenfasse, sondern daß halt, wie es der Zufall will, die berichteten Erlebnisse wirklich in den beschriebenen Städten stattfanden. Und zweitens ist mir dann aufgefallen, daß all das ja nur ein kleiner Teil einer solchen Wochenendreise ist, und daß der wesentlich größere Teil des DJ-Daseins aus etwas ganz anderem besteht, und da schließt sich jetzt auch der Kreis zur These daß Lesen so etwas wie die Entdeckung der neuen Langsamkeit ist: Wir DJ`s verbringen wesentlich mehr Zeit mit Warten, als mit irgendetwas sonst! Zumindest am Wochenende…
 
Und alleine aus diesem Grund sind wir eigentlich Spezialisten bei der Frage: wie schlage ich die nächsten Stunden tot ohne selbst an akuter Langeweile und Gehirn-Standby-Modus zu sterben? Geile Beschäftigung: Menschen beobachten. Das beste Kino, das es gibt! Da gibt es z.B. Leute, die es keine 2 Minuten nach der Landung aushalten endlich das tolle IPhone wieder einzuschalten um endlich Emails zu checken. Klar, während des 1:30 h Fluges von München nach London (schon wieder JetSet, sorry!) oder sonstwohin sind ja auch ganz sicher Dinge passiert, die absolut keinen Aufschub bis Montag dulden. Oder immer wieder geil mitzuerleben wenn man am Gepäckband steht: „Ja, ich bin gelandet, ich warte auf meinen Koffer, ich bin gleich bei Dir… Du wartest vor der Ankunft? Ja gut, bis gleich!“ Super essentielles Gespräch, ganz klar. Manchmal glaube ich, die Leute finden es cool am Handy den gestressten Vielflieger zu mimen, der sein Mitteilungsbedürfnis gar nicht mehr in den Griff kriegt, nur um allen außenrum den Eindruck zu vermitteln man sei der Mittelpunkt des Universums, so als warte hinter der Schiebetür eine Schar an Fans, die es gar nicht fassen können wer da gerade durch die Tür kommt.
 
Keine Sorge, hier schwingt nicht etwa Frust mit, daß ich noch nie von kreischenden Teenies am Flughafen in Empfang genommen wurde. Mir ist ehrlich gesagt lieber die Raver kreischen auf der Tanzfläche wenn die Bassdrum wieder einsetzt, als am Flughafen. Und so werde ich auch nächstes Wochenende wieder ins „Kino“ gehen und gleichzeitig warten: vor dem Abflug auf das Einsteigen, dann auf den Start, dann bis wir gelandet sind, als nächstes (hoffentlich nicht!) auf den Veranstalter warten der mich nach dem Soundcheck ins Hotel bringt wo ich dann aufs Abendessen warte, um danach auf die Abholung in den Club zu warten. Da warte ich dann bis mein Set beginnt, hab dann zur Abwechslung wenigstens einmal so richtig Spaß am Tag bzw. eher in der Nacht, und gleich danach warte ich dann wieder bis mich jemand ins Hotel bringt um dort am nächsten Tage den nervenaufreibendsten Teil der Warterei zu absolvieren: Ist der Veranstalter nüchtern genug um mich pünktlich zum Flughafen zu bringen oder kommt er zu spät oder gar nicht weil er verpennt, verplant oder sonstwas ist? Dann nach dem Check-In wieder aufs Einsteigen warten, auf den Start und so weiter… Ihr seht, alles nicht so aufregend wie es manchmal scheint, denn das ist überall das gleiche. New York, Tokio, London, Paris: Warten langweilt die Menschheit immer auf dieselbe Art. Und doch warte ich gerne, immer wieder. Am meisten auf Euer Lächeln auf der Tanzfläche! Was für ein Schlußwort… in diesem Sinne, hat mich wie immer gefreut und bis zum nächsten Mal im Club deines Vertrauens oder noch besser: auf der Rave On Snow – denn auf die warten wir ja wohl alle gleichermaßen sehnsüchtig! Prosa zum Zeitvertrieb während des nächsten Wartemarathons bitte an niemehrlangeweile@alexbau.de.
 
 
 
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