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Partysan Bayern, Ausgabe Dezember 2010: Musik für Studenten...
 
Mann ey, schon wieder ein neuer Monat, wie die Zeit vergeht... ist doch gerade erst gestern gewesen als ich die Abgabefrist für das letzte Tourbook mal wieder mehr oder weniger selbst definiert habe! Aber man hat es ja auch manchmal nicht leicht als Handlungsreisender in Sachen elektronischer Musik. Ich könnte jetzt schon wieder anfangen, und mich über das "Jetset" lustig machen, aber ich halte mal lieber die Klappe, denn erstens hab ich ja Besserung gelobt, und wenn dann zweitens rauskommt daß ich diese Zeilen hier gerade auf dem Flughafen Guarulhos in Sao Paulo tippe, während ich mal wieder auf eine Abholung warte (ich verweise an dieser Stelle gerne mal auf das Tourbook im letzten Monat - die Geister die ich rief...), dann interessiert euch drittens die Tatsache, daß es auch bei uns in der bayerischen Heimat amtliche Feiern gibt, wohl sicher so sehr wie wenn in Peking ein Fahrrad umfällt (und wieder Jetset, oh mann...). Also geht`s heute mal um Bayern. Also kann alles nördlich der Donau ab jetzt auch weiterblättern :-)
 
Daß wir Bayern ja schon immer speziell waren ist hinlänglich bekannt, da nehme ich mich auch nicht aus, nein, im Gegenteil, ich bin stolz darauf wenn ich in Berlin auf meinen leicht bayerischen Akzent angesprochen werde. Und mit Fremdsprachen haben sie da ja sowieso ihre Übung, die Berliner Raver. Wird ja in den meisten Clubs auch mittlerweile fast eher englisch, italienisch oder spanisch gesprochen vor lauter Technotouristen, wie man so hört. Wenn das mal kein gelungenes Beispiel für Integration ist, und dann auch noch in Berlin! Aber zurück zum Thema. „Speziell“ war das Stichwort, und ein sehr spezielles Erlebnis, ja eigentlich eher einen Flashback, hatte ich kürzlich in einem bayerischen Club in einer Stadt, in der auch Studenten zuhause sind.
  
Da ich ja selbst auch mal Student war, sogar mit Abschluß, man mag es kaum glauben, kam ich schon vor Jahren mal auf die Idee die lieben Kommilitonen für elektronische Musik zu begeistern. Ich dachte mir "Ey Alex, das sind alles Leute die was in der Birne und aufgeschlossene Gemüter haben, das wird der Renner wenn die mal ne coole Studentenparty mal ohne Chart- und Schlagergrütze geboten bekommen!". Ich sag jetzt nur so viel, es war die erste und letzte Studentenparty dieser Art, die ich damals geschmissen habe. Was mich jetzt aber eigentlich schockiert: es hat sich nichts geändert! Ohne jetzt die Ausnahmen dieser Regel beleidigen zu wollen muß ich schon mal die Frage stellen: Wie, ihr lieben Studenten, selbsternannte zukünftige geistige Elite unseres Landes, soll das denn alles mit Toleranz und Offenheit gegenüber Neuem funktionieren, wenn ihr, sobald mal nicht eine Nummer läuft zu der man im Kreis um seine Handtasche hopsen kann, wie von der Tarantel gestochen quasi fluchtartig die Tanzfläche oder zum Teil gleich den Club verlasst? Jetzt lässt sich über Geschmack ja bekanntlich nicht streiten, aber es nervt halt wenn man bei seinem Set bei jedem Track überlegen muß "Ist das jetzt zu viel Innovation oder geht`s grad noch so wenn die nächste Nummer wieder einen Offbeat-Bass hat?" Schon mal was vom großen Ganzen gehört? Ja, genau das, was Du im ersten Semester fast in jeder Einführungsvorlesung vor den Latz geknallt bekommst "Denken sie interdisziplinär, meine Damen und Herren, interdisziplinär!"
 
Da stand ich dann nach ca. 1h meines Sets, der Laden nur noch halb so voll, und während ich von offensichtlich technoerfahrenen Anwesenden zu hören bekommen hab, daß ich da echt fette Nummern spiele wurde das Fragezeichen in meinem Kopf im größer was denn der Grund dafür ist, daß die andere Hälfte der Leute wohl etwas anderes gedacht hat. Die Antwort schoß mir gleich danach ins Gedächtnis: Klar, es sind mal wieder dumme Studenten, wie damals, die nicht die geringste Ahnung von Musik haben! So erklärte sich auch der ein oder andere Typ, der lässig seinen Pullover über den Schultern hängen ließ, während der Kragen des Polohemdes mit dem Krokodil so steil nach oben ragte wie das Matterhorn. Und in ein paar Jahren klatscht auch er beim Mutantenstadl immer schön "auf die Eins" in die Hände! Da muß es doch einen Zusammenhang zwischen Immatrikulationsbescheinigung und musikalischer Offenheit geben! Schon mal überlegt, daß was Neues auch Spaß machen könnte? Wenn deine Ohren mal mit Sounds durchdrungen werden, die Du so noch nie gehört hast, wird`s Dich schon nicht gleich umbringen! Nimm dir mal ein Beispiel am Bäckerlehrling, Kfz-Mechaniker oder Einzehandels-Azubi links und rechts neben dir im Club, oder sogar am Kommilitonen, der montags komischerweise nie in irgendeiner Vorlesung zu finden ist. Oder bist Du was besseres? Die haben alle was gemeinsam: sie hatten Spaß am Wochenende, quasi bis zum Umfallen, und das, weil sie Neues zugelassen haben und sich die Partys nicht danach aussuchen wo man am besten Leute trifft, mit denen man über die letzte Steuervorlesung reden kann. Und wenn Du`s jetzt noch immer nicht geschnallt hast: DU bist die Party! In diesem Sinne, es wird am eben erwähnten Ort nicht mein letzter Gig gewesen sein, denn der Club an sich ist cool, und daß die einen das als Drohung, die anderen als Versprechen auffassen ist mir klar... und an alle Studenten, die bis hier her weitergelesen haben: nix für ungut! It`s only techno, but you like it! So, und jetzt kannste Deine Diplomarbeit zum Korrekturlesen schicken: niemehrlangeweile@alexbau.de.
 
 
 
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