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| Partysan
Ausgabe April 2011: Heute:
Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt...
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| Ein
weiterer Monat mit einer Menge Bassdrums, Hihats und auch der für
Leute wie mich dazugehörigen Reiserei, und ehrlich gesagt ist
auch wieder einiges passiert worüber man ganz nett berichten könnte,
aber dann kam der 11. März, und der hat vieles, ich will es mal
vorsichtig ausdrücken, "relativiert". Um genau zu
sein, eigentlich alles.
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| Klar,
Du denkst jetzt vielleicht "Oh Mann ey, muß der jetzt auch
noch anfangen mit der dieser Japan-Kiste...", und eventuell
hast Du ja auch recht damit. Ich habe die ganze Zeit überlegt
ob ich jetzt eine weitere Anekdote zum besten geben soll wie ich
z.B. kürzlich zu Fuß aus Mexiko in die USA eingereist bin oder
irgend so etwas. Aber was immer ich jetzt hier schreiben würde,
erstens kann ich es zu einem späteren Zeitpunkt nachholen,
zweitens würde ich mir dabei extrem schäbig und dämlich
vorkommen, und drittens ist das alles im Vergleich zu dem, womit
die Menschen in Japan zur Zeit Klarkommen müssen, nichts weiter
als absolut belangloser Scheißdreck. Nur so klar kann man es
sagen.
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| Ich
war ein öfters in Japan und auch wenn ich jetzt nicht gleich so
überschwenglich in die totale Japan-Euphorie ausbreche wie so
manch anderer DJ-Kollege (geile Partys gibt`s bei uns auch, da
geht bei einem so weit entfernten Land wie Japan nur auch ganz
gerne mal der Euphorie-Gaul durch...), es ist ein tolles Land
mit super Partys, einer wahnsinnig faszinierenden Kultur, einer
totalen Reizüberflutung, einem ganz eigenen Rythmus und vor
allen Dingen einer Menge liebenswerter, gastfreundlicher
Menschen. Nun erduldet dieses Land fast schon mit stoischer Ruhe
die Tatsache geographisch ungünstig gelegen einem Erdbeben nach
dem anderen ausgesetzt zu sein, und weil das nicht reicht kommt
da dann auf einmal auch noch diese scheiß Welle und kostet so
vielen Menschen die Existenz und noch schlimmer, sogar das
Leben. Da sitzt man dann vor dem Nachrichtensender, checkt erst
mal gar nicht was da gerade zu sehen ist bis man erkennt die
kleinen weißen Punkte im Wasser sind Autos, die wie Spielzeug
durch die Gegend geschwappt werden, und dann wird einem klar, daß
man einfach nur fassungslos zusehen kann wenn die Natur wieder
einmal das macht, was sie seit Jahrmillionen ohnehin schon tut,
und wir Menschen da nur ein kleiner Pflasterstein auf dem
Highway der Evolution sind. Und genau wir, diese kleinen Pupser,
machen das Ganze auch noch dadurch schlimmer indem wir glauben
die Naturgesetze in unserem Sinne und immer so für uns nutzen
zu können wie es uns beliebt, nach dem Motto "einfach die
Stäbe tiefer in Wasserbecken, dann können uns die kleinen
Atomkerne mal am Arsch lecken wenn sie sich einfach
unkontrolliert spalten wollen", und dann kommt da plötzlich
so eine Menge Wasser daß am Ende genau an der Stelle, wo man es
am dringendsten braucht, nicht mehr genug davon da ist, und es
wundern sich alle warum diese Stäbchen immer heißer werden,
und man stellt fest daß es keine so dolle Idee war gleich sechs
Reaktoren in einem Erdbebenland direkt an die Küste zu bauen.
Bravo, ich glaube Pandora hat den Mietvertrag gekündigt, denn
die Box ist offen und sie will uns da so schnell wie möglich
raus haben. Scheint zumindest so.
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| Ich
hab, nachdem ich erst mal ein paar Emails nach Japan geschickt
habe um zu sehen wie es den Leuten geht, die ich dort kenne, mir
überlegt: "Mann, Alex, Du bist ja echt nicht dünnhäutig
oder nah am Wasser gebaut, aber warum zieht dich das jetzt hier
so in den Bann?" Das letzte Mal so mies während eines Gigs
fühlte ich mich in Duisburg auf einer Bühne die sich
"Love Stage" genannt hat, und diese Tragödie in Japan
hat es nun geschafft meine Gedanken ebenso zu fesseln, und ich
überlege mir warum das so ist und vor allem fühle ich mich
mies wenn ich mich dabei ertappe daß es beim Erdbeben in Haiti
oder der Flutwelle 2005 in Asien zwar auch schlimm, aber nicht
so krass war wie jetzt. Und das, obwohl dort ungleich mehr
Menschen ihr Leben verloren haben. Bin ich ein schlechter Mensch
wenn ich jetzt trotzdem Gigs spiele und einen auf "gude
Laune" mache? |
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| Meine
Antwort ist: Nein! Ich komme langsam aber sicher zu dem Schluß,
daß es dieses Mal etwas anderes ist weil Japan, nicht wie Haiti
oder auch Thailand, ein Land ist, das vom Entwicklungsstatus her
ziemlich vergleichbar ist mit meinem Heimatland, und das gepaart
mit der Tatsache auch schon öfters dort gewesen zu sein, dort
nette Freund zu haben und zu allem Überfluß auch zu wissen wie
sehr dieses Land schon vor Jahrzehnten einmal unter der
Entdeckung der "Möglichkeit zur Energiefreisetzung durch
Kernspaltung" gelitten hat, macht einfach alles anders. Ich
hatte schon als Kind immer ein mulmiges Gefühl wenn wir beim
Verwandtenbesuch am ein oder anderen Sonntag am Kernkraftwerk
Grafenrheinfeld vorbeifuhren, ganz so als gäbe es eine natürliche
Intuition die einen vermuten lässt daß in dieser Betonkuppel
Sachen geschehen, von denen wir Pupser in der Evolution lieber
die Finger lassen sollten, aber das jetzt miterleben zu müssen
wie über ein so zivilisiertes Land auf einmal so unfassbar viel
Leid hereinbricht, das ist ein ganz anderes Kaliber. Und
gleichzeitig stelle ich dann fest, wie bewundernswert dieses
Volk mit all dem umgeht und komme zu dem Schluß daß man sein
Leben eben einfach weiterleben muß, nicht aufgeben darf, und
vor allem nie die Hoffnung verlieren darf daß es auch wieder
die Sonne scheinen wird. Und auf was könnte das besser
zutreffen als auf das Land der aufgehenden Sonne? |
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| Vielleicht
sparst Du dir das Geld für den nächsten Wodkabull oder was Du
sonst so konsumierst, und füllst dann am Montag einen Überweisungsschein
aus, der an das Rote Kreuz in Japan geht. Da ist dein Geld zwar
nicht so "hochprozentig" angelegt wie in Wodka, aber
sinnvoller dafür allemal... Und feiern warst Du trotzdem, und
hast damit so viel positive Energie freigesetzt wie es kein
Reaktor der Welt jemals schaffen wird. Hoffen wir einfach, daß
die dann über Umwege durchs Universum bei den Menschen landet,
die sie wirklich brauchen können. Egal ob Japan, Haiti oder wo
auch immer! |
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