|
|
|
| |
| HOME /// DATES
/// TOURBOOK ///
MUSIC /// SPECIAL /// PRESS & CONTACT |
| |
| Partysan Ausgabe November 2011 - Is it all about the Hype?
|
| |
| Hm,
jetzt, da ich gerade hier in Mexiko rumsitze fällt mir ein ich
wollte Euch ja mal die Geschichte erzählen, wie ich mal im wilden
Westen zu Fuß in die USA eingereist bin. Aber um ehrlich zu sein:
Wayne interessiert`s! Nachdem ich bei den letzten
Tourbook-Einträgen ja gerne mal vom Leder gezogen und mich
über in die Hose gegangene Veranstaltungen beschwert habe, dachte
ich mir, es wäre mal an der Zeit von einem richtig guten Gig zu
berichten. Sonst geht am Ende noch das Gerücht um "Ey, den Bau
nicht einladen auf unsere Party, wenn der kommt geht immer was schief
und er motzt dann nur endlos rum…". Und das will ja keiner, vor
allem ich nicht, schon aus ureigenstem Interesse. Auch wenn ich nach
wie vor der Meinung bin daß man gerade dann die Wahrheit sagen
darf, wenn sie auch mal weh tut, ist es an der Zeit mal von einem der
Gigs zu berichten, die in die Kategorie "geil, voi leiwand oida,
awesome, beleza, brilliant, tres bien" und was weiß ich noch
alles fallen. Und die sind Gott sei Dank der Regelfall, nicht
umgekehrt. Und nur keine Sorge, es wird keine "Eigenspeichelleckerei",
ein wenig Reflektion inbegriffen.
|
| |
| Also.
Ich schreibe und Du liest heute über Berlin. Ja, genau, die
selbsternannte Partyhauptstadt der Republik. Das man da quasi von einem
Club in den anderen stolpert hat sich ja eindrucksvoll von England
über Skandinavien und via den Beneluxstaaten vor allem bis nach
Italien und Spanien herumgesprochen. Die Motive sind unterschiedlich.
Der gewöhnliche Engländer freut sich darüber daß
der Easyjet-Flug inkl. Eintritt in einen Berliner Club sowie dem
obligatorischen Begrüßungsbier immer noch billiger ist, als
ein Clubbesuch in London. Der italienische oder spanische
Sonnebrillenraver dagegen findet`s geil mal so richtig druff sein zu
können ohne der Mama Miracoli am Sonntag morgen auf deren Weg zur
Kirche unglücklicherweise in die Arme zu laufen mit Pupillen von
Parma bis Schinken. und so ist das Ziel ist immer das Gleiche: Berlin.
Ganz so, als gäbe es in Deutschland nichts anderes mehr
außer Berghain, Watergate, Tresor und so weiter. Warum ist das
so? Seit Wowereit wissen wir es ja: Berlin ist zwar arm, aber sexy.
Also dachte ich mir "geil, mal wieder in den Tresor, das wird bestimmt
fein!" als ich hörte ebensolcher stehe wieder auf meinem Tourplan.
Lange ist es her daß ich dort in diesem Keller zugange war, und
nach ein paar anderen Partys in Berlin die eigentlich auch ganz ok
waren stand für mich nach meinem Gig im Berghain Ende letzten
Jahres fest: es gibt eigentlich für die Art von Sound, die ich
gerne zum Besten gebe, nur zwei echte Alternativen an der Spree:
Berghain oder Tresor. Also rein in den Flieger und ab nach Berlin.
|
| |
| Leider
etwas verspätet angekommen und dummerweise den Rider zu Hause
vergessen saß ich dann auf dem Hotelbett und dachte mir
"Scheiße, wie sollst Du jetzt jemanden erreichen?". Schon
klingelte das Telefon und die Tresor-Crew lotste mich per Taxi zur
Markthalle, dem tradiotionellen Pre-Party-Restaurant, gar nicht mal so
weit weg vom Geschehen. Warum ich das erzähle wo Du dir
berechtigterweise denkst "der soll jetzt nicht schwafeln wo er Essen
fassen war, sondern wie die Bassdrums gedrückt haben..."? Ganz
einfach. Als ich den Namen am Telefon hörte schoß mir Die
Erinnerung an meinen ersten Gig im damals noch alten Tresor in den
Kopf, auch da gab`s in der Markthalle das Abendessen. Und daß
eine Premiere in dieser ehrwürdigen Geschichtsstätte
elektronischer Musikkultur wohl bei jedem betroffenen DJ so was wie
Gänsehaut erzeugen sollte, versteht sich hoffentlich von selbst.
Um jetzt mal auf den Punkt zu kommen, alleine schon der Gang durch den
stroboskopbeleuchteten schier ewigen Tunnel hinunter in den
eigentlichen Tresor mit dem Wummern des Bass am Ende und einem
vernebelten Blitzlichtgewitter ist eine Reise wert und läßt
einen als Act auch irgendwie in Ehrfurcht erstarren. Ja, ihr
Minimalhonks, so war das früher als alle einfach Bock auf Techno
hatten. Nebel, Strobo, ne fette Anlage und Sound der drückt. Yeah!
Mehr brauchte es nicht, und in dieser Hinsicht wirkt der Tresor fast
wie ein notwendiges Relikt aus grauer Technovorzeit, quasi eine
Nachhilfeschule in Sachen "Techno". Dann noch die zahllosen
Tresorfächer und Gitterstäbe, die einen erinnern daß
man sich in dem Club befindet, der schon vor 20 Jahren da war als noch
so mancher Techhouse-Kindergarten im Rückenmark des Vaters
Fahrstuhl gefahren ist. Noch Fragen? Die Party, nebenbei bemerkt eine
Nachtstrom-Labelnacht, ein tolles Tehcnolabel auf dem ich aber aus
studiobedingten Problemen meine Remix-Premiere erst verspätet
ferien werde, also nach dem Gig, war fettestens. Der Keller voll mit
Wahnsinnigen, denen es nicht Techno genug sein konnte. Es war so ein
Abend, wie er nur an so einem Ort, in so einem Ambiente, mit so einer
Anlage möglich ist: Du kannst als Act alles spielen, Mixes
probieren, die Du sonst eventuell nicht machen würdest, die Musik
in Einklang bringen mit den Ravenasen vor dir (Moment, eigentlich genau
andersherum...) - solange es eines bleibt: Techno! Nicht schnell, aber
harte Kickdrums, immer eine Bassline, und metallische
Groovegerüste aus Hihats die durch repetetive Signalsounds
durchlöchert werden. Positive, tanzbare Energieentladung, quasi.
Musik, die für den Tresor gemacht ist, und ein Tresor, der
für diese Musik gemacht ist. Hier klingen Tracks anders als in
jedem anderen Club!
|
| |
| Das
führt mich dann (endlich) zu meiner eigentlichen Frage: wenn Du
genau gelesen hast wird Dir auffallen, daß mein Versuch den Sound
in Worte zu fassen eigentlich auch ein anderer Club in Berlin gemeint
sein könnte, der in den letztem Jahren so ziemlich jedem anderen
Schuppen den Rang abgelaufen hat: das Berghain, der miitlerweile und
zurecht auch legendäre Nachfolger des Ostgut. Die Frage: wie kann
es sein, daß ein Hype entsteht, der dann vor allem im Ausland
dazu führt daß die Leute ihre Tresor-Shirts ausziehen um
sich eines vom Berghain überzustreifen. klar, jetzt wird es
gefühlte 1 Mio Argumente hageln warum das Berghain eben das
Berghain ist und so weiter... mag ja alles richtig sein, aber ich
meine, ist jetzt alles, was vorher schon da war und immer noch da ist
jetzt weniger wert? Wieso stürzen sich alle auf etwas wie die
Lemminge in den Abgrund, nur weil jemand die Richtung vorgibt? Bitte
nicht falsch vestehen, das Berghain ist ein Hammer-Laden, einzigartiges
Ambiente, Wahnsinns-Sound, super Lineup und vor allem eine in sich
einzigartige Philosophie und Idee, die wie ein schützender
Schatten über diesem Riesengebäude liegt. Aber ist es nicht
so daß es auch in anderen Städten, ja sogar vielleicht in
anderen Dörfern, nicht ebenso fette Partys geben kann, nur eben
auf eine andere Art und Weise und nicht durch Partytourismus propagiert
und weiterverbreitet wird? Um auch mal aus eigener Erfahrung zu
sprechen, was haben wir im Silo1, in Töging am Inn, mitten auf dem
Land, nicht schon für geile Feste gefeiert, um die uns so manch
andere beneidet haben! |
| |
| Der
Tresor hat mich einfach wieder daran erinnert, daß man ab und zu
auch mal einen Blick zurück werfen sollten um schätzen zu
lernen was man evtl. aus den Augen verloren hat. Ob das jetzt der
Tresor oder die Disko XY ist, egal, die Party bist immer Du! Wie
schrieb ein begnadeter Musiker einmal in einem großartigen Song:
"When you think you tried every road, every avenue, take one more look
what you found old, and in it you`ll find something new!" Danke, Herr
Gore. Was für ein fast schon philosophisches Ende der heutigen
Ausgabe, aber ich hoffe es kam an! Das nächste mal wieder mehr
Trash, und jetzt ab in den Club nebenan. Das Berghain gibt`s auch
nächste Woche noch, den Club um die Ecke aber vielleicht nicht
wenn Du nicht wieder regelmäßig hingehst. So brutal einfach
ist das! |
| |
|
|
|