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Partysan Ausgabe Januar 2012 - Rave o(h)n(e) Snow
 
Hui, da habe ich ja ganz schön böses Feedback bekommen, vor allem weil diese bösen bösen Journalisten eben als Überschrift bei so manchem Veröffentlichen meines letztmonatigen Tourbooks nur auszugsweise zitierten, und wer liest denn in den heutigen Zeiten noch einen ganzen Artikel über zwei Seiten wenn in der gleichen Zeit schon wieder 1,5 Mio Newsmeldungen auf Facebook die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Tja, liebe Leute, so entstehen Mißverständnisse, ja noch mehr, durch so was sind schon ganze Kriege entstanden! Also, um es mal ganz offiziell zu machen: ich hasse House natürlich nicht!!! Ich mag es nur nicht wenn so getan wird als wäre es das einzige glückseligmachende Genre der elektronischen Zunft, und vor allem mag ich eben nicht diesen Großraumdiskotheken-Housesound (Du weißt schon, „Ey Alda, gehen wir ins Magic, da is heute wieder House & Black...“) und diese Flut an „House“, die derzeit die Clubs und Events überströmt, und von Produzenten kommt, die nach 3 Jahren Minimal nun gelernt haben wie man in Ableton eine weitere Audiospur aufmacht und dort dann einen Percussionloop einsetzen. „Wow, der hat ja automatisch schon das richtige Tempo! Wie geil!“. In gleicher Weise richtet sich mein mir angedichteter Hass übrigens auch auf diese Flut von Technoproduktionen, die kein Mensch braucht. Kommt da etwa der nächste Overkill auf uns zu, dieses mal die Schar an Jungs die alle düster,monoton und dark klingen wollen, und so manchmal eben gar keine Emotionen mit ihren Tracks erzeugen weil das eben gerade das genaue Gegenstück zum aktuellen Housewahnsinn ist? Oh mann ey... ich vermisse die Zeiten in denen man händeringend nach neuen Platten gesucht hat, und dann einfach alles kaufen konnte weil alles geil war, wurscht ob House oder Techno oder sogar beides gleichzeitig. Da startete dann ein Abend mit Deephouse, steigerte sich zu Techhouse bevor es dann mit dem Technohammer eins auf die Mütz gab, und als am Ende alle weichgeklopft waren hielt man die Meute mit spacigen und abgedrehten Minimalsounds bei Laune. Alles auf einem Floor. Alles an einem Abend. Alles von einem DJ (der es drauf hatte, und sein Handwerk gelernt hatte). Daumen nach oben und „gefällt mir“.
 
Schlau wie Du bist denkst Du dir vielleicht grad „was labert der mich da jetzt voll, das hat doch alles nichts mit einem Tourbook zu tun!“. Und meine Antwort lautet: richtig! Aber los werden wollte ich es trotzdem, danke daher für deine Aufmerksamkeit, jetzt geh kurz Statusmeldungen checken und dann geht`s hier weiter mit der Rave on Snow 2011.
  
So, schön daß Du wieder da bist. Also, Stichwort „Rave on Snow“. Ich will erstmal klarstellen daß ich da jetzt keine Partysan-Eigenwerbung betreiben will. Erstens hat das die Rave on Snow ohnehin nicht nötig, und zweitens dachte ich mir, als ich dieses Jahr auf dem Dorfplatz stand, der Laser den Berghang so angefeuert hat, und mitten in einem kleinen Kaff in den Bergen ein paar Tausend Leute steil gegangen sind: Wie geil ist das denn eigentlich? Ich meine, das muß man sich mal überlegen! Da wohnen laut Wikipedia 2.871 Einwohner in diesem Dorf, und ca. doppelt so viele Raver fallen dann ein ganzes Wochenende über den Ort her, feiern, haben Spaß, und alle machen mit! Als ich das die Woche vorher dem Veranstalter in Montreal erzählt habe, schüttelte der nur ungläubig den Kopf und meinte „No way...“, und ich sagte „Yes, we can!“, auch wenn wir uns in Kanada befanden. Da wurde mir klar daß wir es dank einiger Idealisten, egal ob Veranstalter oder Dj`s oder Produzenten, eigentlich doch ziemlich weit gebracht haben mit unserer Musik, oder etwa nicht? Ok, dann gehören halt so Begleiterscheinungen wie David Guetta und Co. auch dazu, aber wenn man sich mal überlegt daß man vom Dorfplatz über die Tiefgarage und der Turnhalle (ja, auch dort wird geraved...) bis hin zu den ganzen kleinen „Hotelclubs“ wie Kings, Taverne oder Castello überall nur Mucke hört, die in keinen Media-Control-Charts auftaucht, dann finde ich das bemerkenswert. Irgendeine Magie muß diese Art von Musik haben, das Problem bei uns Dj`s ist nur manchmal, daß wir es durch die ständige Beschäftigung damit teilweise gar nicht mehr mitkriegen wie außergewöhnlich das eigentlich ist. Und dann sieht man sich da auf so einer Bühne stehen, mitten auf dem Dorfplatz eines Skiortes, vor einem strahlen und feiern 2.000 (keine Ahnung, Schätzung...) Nasen zu Tracks von „Truncate“, „Equd“ oder „Cabaret Groove“, und man checkt: Ey ey, normal ist das nicht... aber wie geil denn bitte!
 
In diesem Sinne, ich wünsche Dir ein tolles 2012, viele tolle Partys, noch mehr tollte Undergroundmucke, House, Minimal, Techno oder Gringotechno vollkommen egal, und generell einfach eine tolle Zeit, die Du hoffentlich schön reglmäßig in den Clubs verbringst, auch der um die Ecke, denn Techno ist für alle da und lebt vom Mitmachen. Und wer weiß, vielleicht gibt`s ja wieder öfters mal Abend an denen man als DJ auch mal wieder 4 oder 5 Stunden spielen kann, denn das können nur richtige Dj`s, und eben nicht die "Jugendlichen mit einem Macbook", die nach einer Stunde schon schwitzen... Yeah! Wie immer, nix für ungut ;-)
 

 
 
 
 
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